Aus der Geschichte

Von allen vier Ortsteilen der Gemeinde Merzenich liegt für Morschenich die älteste urkundliche Erwähnung vor. Sie geht aus einer Urkunde des Erzbischofs von Köln hervor. Allerdings hat der darin erwähnte Ortsname „Morsaz“ mit dem heutigen Namen Morschenich nur entfernte Ähnlichkeit. Aber gerade für diesen Ort hat die Namensbezeichnung im Laufe der vergangenen Jahrhunderte sehr oft gewechselt ehe er sich über den mundartlich bis heute verwandten Namen „Muschenich“ zum Namen Morschenich herausgebildet hat.
Kirche Morschenich_kleinDer Ort mag in früheren Jahrhunderten weitgehend von dem großen Waldgebiet „Bürge“ umschlossen gewesen sein. Dieser Wald, dessen Geschichte weit zurückreicht und der im Jahre 973 in einer Urkunde Kaiser Otto H. mit der Bezeichnung „Burgina“ als Schenkung König Ludwigs der Domkirche zu Köln bestätigt wird, ist sicherlich sehr eng mit der Geschichte des Ortes verknüpft. In diesem Zusammenhang ist auch an die Arnoldus-Sage zu erinnern, die die Bürger von Morschenich verpflichtete, für die Abholzung und den Viehvertrieb im Wald eine jährliche Wachsrente zu entrichten.
Es wird vermutet, dass in Morschenich bereits im 8. Jahrhundert eine Jagdkapelle gestanden hat. Jedenfalls wird im bekannten „Liber valoris“ des Erzbistums Köln um 1300 bereits eine Kirche zu Morschenich erwähnt.
Man könnte für Morschenich während der vergangenen Jahrhunderte eine abseitige Lage vermuten, die den Ort weitgehend von Verwüstungen und kriegerischen Auseinandersetzungen verschont hätte. Dies trifft jedoch in keiner Weise zu. Lediglich einen Vorzug hatten die Bewohner des Ortes gegenüber manch anderen: Sie konnten sich manchmal vor den brandschatzenden und marodierenden Kriegshaufen in den umliegenden Waldgebieten verstecken, womit sie jedoch nur ihr nacktes Leben und geringe Habseligkeiten retten konnten.
Auch von anderen Unbilden ist Morschenich nicht verschont geblieben. Alleine im vergangenen Jahrhundert hat eine verheerende Feuersbrunst das halbe Dorf vernichtet und zweimal haben schwere Unwetter große Schäden angerichtet und die gesamte Frucht auf den Feldern vernichtet.
Im Übrigen bezeugen vorhandene Dokumente, dass um den Besitz von Anwesen und Ländereien in und um Morschenich immer wieder, auch von kirchlichen Institutionen, gerangelt und prozessiert wurde.
Die beiden letzten Weltkriege haben auch unter der Bevölkerung von Morschenich ihre Opfer gefordert. Doch wie bereits in den Jahrhunderten zuvor, hat man sich immer wieder zu einem Neuanfang aufgerafft.Kindergarten Morschenich_klein
Morschenich erlangte in den 40er Jahren dieses Jahrhunderts einen gewissen Bekanntheitsgrad, weil man hier einen interessanten und zunächst auch vielversprechenden bergmännischen Versuch durchführte: Man erprobte den Abbau der hier lagernden Braunkohle mittels eines so genannten Gefrierschacht-Verfahrens unter Tage. Dieser Versuch musste jedoch 1955 wegen Unwirtschaftlichkeit aufgegeben werden.
Die Braunkohle wird in absehbarer Zeit das Schicksal des alten Ortes Morschenich besiegeln. Infolge des fortschreitenden Tagebaues Hambach soll Morschenich der Braunkohle weichen.

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